Die Map "Toujane" aus Call of Duty 2 im Überblick:
Toujane: (von [FoP]Yuriisback)
Moin Moin zusammen,
Im Folgenden möchte ich versuchen,
einige Hintergründe zu dieser unserer Map darzustellen.
Warum haben die Macher von
InfinityWard dieser Map ausgerechnet diesen Namen gegeben?
Gibt es Beziehungen zwischen InGame
und Realität?
Der Call of Duty 2 Gemeinde ist
dieses Dörfchen als Spielort verschiedenster Missionen des Single- und
Multiplayer Mode bekannt.
Bei dieser Karte handelt es
sichum die Darstellung eines kleinen
Wüstendorfes mit größtenteils einstöckigen Flachbauten. Angesiedelt ist die
Karte als Teil der Mission des Nordafrikafeldzuges innerhalb der CoD2
Einzelspielermission.
Aber
auch als Mehrspielerkarte im Internet erfreut sich diese Map großen Zuspruchs.
Ich habe es mir zunächst einmal einfach
gemacht und nach Toujane gegoogelt.
Dabei stößt man unweigerlich auf die
Wikipedia Enzyklopädie.
Laut Wikipedia handelt es sich bei
Toujane um ein kleines Berber-Dorfim
südlichen Tunesien in der Nähe von Medenine, welches durch ein tiefes Tal in
zwei Hälften getrennt wird.
In der Kürze liegt die Würze und man
kann tatsächlich Toujane nicht besser umschreiben. Damit kann festgestellt werden,
dass unsere CoD2 Karte tatsächlich einen realen Bezug besitzt.
Hier
einmal ein Kartenausschnitt, um Toujanenun auch geographisch einordnen zu können:
Und tatsächlich, googelt man weiter,
stößt man neben den einschlägigen Touri-Hochburgen Tunesiens Sousse, Hammamet
und die oben eingezeichnete Insel Djerba auch auf die ein oder andere
Reiseinformation und Tourenvorschlag über und in dieses Gebiet.
Hierbei erfährt man dann, dass wer
eine Reise ins Innere Südtunesiens unternimmt, vieles entdecken kann:
Den üppigen Charme der Oasen, die wilde Kargheit von Wüste und Bergen, die
vorzeitliche Ursprünglichkeit der Höhlendörfer (Matmata, Toujane, usw.).
Unvergesslich bleiben Wandersafaris mit Geländewagen, Mountainbike- und
Fahrradtouren über den Salzsee "Chott el Djerid", den schon Karl May so lebendig beschrieb und an dessen
Südrand schließlich die Sahara beginnt.
Im Rahmen der Förderung des Sahara-Tourismus
wird der Süden verstärkt in das touristische Angebot aufgenommen. In der Nähe
der Oasen wurden Hotels mit Tennisplätzen, Swimmingpools, Reitclubs und
Freizeiteinrichtungen gebaut.
Warum dann nicht auch einmal den jüngeren, sehr bewegten Teil der Geschichte
Südtunesiens in Betracht ziehen und sich nach Toujane umsehen?
Nein, Spaß beiseite, ich zitiere hier einmal aus einem der unzähligen Reiseberichte
in diese Region:
„Wenn Ihr also auf Djerba oder der Oase Zarzis Urlaub macht, ist dieser
Ausflugtipp sicherlich nicht uninteressant: Ein kleiner Trip durch Südtunesien
mit der Besichtigung der Ghorfas in
Medenine oder Metameur, einem
alten Berberdorf. Alternativ könnte nun der Ausflug nach Matmata über die GP 104 folgen."
Und jetzt kommt der Satz auf den in diesem Beitrag alle gewartet haben:
„Die kleine Stadt Toujane wird hierbei berührt, deren
Lage in der Bergwelt Südtunesiens wohl einzigartig ist!"
Um euch dies auch bildlich
darzustellen, habe ich einmal einige Bilder zusammengetragen:
Anhand der Bilder wird für jeden
deutlich, dass die Macher der Map sich durchaus am Original orientiert haben.
Die Ähnlichkeit in Bezug auf Farbwahl, Gebäude und der Anordnung der Häuser im
Dorf erscheint durchaus gelungen und lässt das Spiel dadurch auch in einem
anderen Zusammenhang interessant erscheinen.
Noch interessanter als die Frage
nach einem geographisch, reellen Bezugist für uns Gamer eines WWII Ego-Shooters aber natürlich der historische
Zusammenhang.
Auch hier habe ich zunächst
natürlich gegoogelt und bin bei Wikipedia fündig geworden:
Die Mareth-Linie (auch
Gabes-Linie) war eine Festungslinie in Südtunesien zwischen den Städten
Medenine und Gabes. Sie war in den Jahren 1936 bis 1939 von der französischen
Kolonialmacht erbaut worden und diente ursprünglich dem Schutz der Kolonie
Tunesien vor einem Angriff aus dem italienisch besetzten Lybien. Die Linie von
ca. 35 km Länge war im Südwesten an die 800 Meter hohen Matmata-Höhen
angelehnt, welche für Radfahrzeuge unpassierbar waren, und stieß im Nordosten
an das Mittelmeer. Vor der Stellung stellte das Wadi Zigzaou ein natürliches
Hindernis für Panzerfahrzeuge dar. Die Stellung selbst bestand aus einer Reihe
Betonbunkern, Geschützstellungen, Minenfeldern und Drahtsperren.
In den ersten Jahren des
Afrikafeldzuges während des 2.Weltkrieg spielte die Mareth-Linie keine Rolle.
Nach der Niederlage Frankreichs wurde sie seit 1940 nicht mehr ausgebaut und
begann zu verfallen.
Erst nach der Niederlage der
deutschen Panzerarmee Afrika in der Schlacht bei El Alamein (3.Oktober 1942 –
10.November 1942) begannen sich die Achsenstreitkräfte nach Tripolitanien
zurückzuziehen. Aber auch dort konnten sie sich nur bis Mitte Dezember halten
und wichen dann vor der britischen 8.Armee in Richtung Tunesien aus. Bis zum
15.Februar 1943 hatte das Afrika-Korps alle verbliebenen Kräfte in die
Mareth-Linie gebracht. Als ihr Oberbefehlshaber Generalfeldmarschall Erwin
Rommel die Stellungen besichtigte, zeigte er sich wenig optimistisch. Seiner
Ansicht nach war sie zu schwach und konnte noch dazu im Westen umgangen werden.
Doch das italienische Oberkommando, zu dessen Unterstützung Rommel formell
abkommandiert war und unter dessen Befehl er somit stand, ignorierte alle
Warnungen, untersagte jede weitere Absetzbewegung. Der Oberbefehl wurde dem
italienischen General Giovanni Messe übertragen, der sich nun, auch zusammen
mit dem deutschen Afrika-Korps, zur Verteidigung einrichtete.
Die Operationen der
britischen 8.Armee zur Überwindung der Mareth-Linie begannen am 19.März 1943.
Neben mehreren frontalen Angriffen umgingen einige Einheiten auch die
Matmata-Höhen im Südwesten und bedrohten nach einem Durchbruch die Rückzugslinie
der Achsenstreitkräfte. Letztere räumten die Mareth-Linie am 27.März 1943 und
zogen sich bis zum Wadi Akarit zurück.
Soweit die nüchterne Enzyklopädie.
Eine weitere interessante Quelle,
die ich hier zitieren möchte:
Quelle: www.tunesieninformationen.de
Hier findet man tatsächlich einen
Hinweis auf ein kleines Museum, welches sich in der Nähe von Toujane befindet:
Das vom Tunesischen Verteidigungsministerium
gegründete und unterhaltene Museum der
Mareth-Linie (Musée de la ligne de Mareth) liegt direkt an der Straße Medenine - Gabes, kurz vor der
Ortschaft Mareth. Es ist kein
großes Museum, zeigt aber mit unterschiedlichen Medien den Ablauf der Schlacht von Mareth und die
Bedeutung dieser Verteidigungslinie. Ferner gibt es eine Ausstellung der
gängigsten damaligen Infanteriewaffen und auch auf dem Gelände des Museums wird
Kriegsgerät aus den Tagen von Mareth präsentiert. Im Vorführraum wird ein Video
gezeigt, welches sich mit dem Thema Mareth-Linie befasst.
Die ersten Bunkeranlagen befinden sich gleich
neben dem Museum. Ferner gibt es in der Nähe weitere interessante Gebäude aus
dieser Zeit und auch diese können besichtigt werden. Wer sich für die Befestigungsanlagen interessiert, kann
direkt vor Ort einen Führer mieten. Sicherlich ist diese Art von Tourismus
nicht jedermanns Fall, deshalb rate ich zumindest davon ab, Kindern diese alten
Kriegsschauplätze zu zeigen!
Ähnlich
wie auf dem europäischen
Kriegsschauplatz hatten die Italiener in Nordafrika schwere Rückschläge
gegen die Briten hinnehmen müssen. Eine italienische Offensive zum Ende des
Jahres 1940 führte zur Vernichtung der eigenen Heere in Libyen. Der deutsche General
Erwin Rommel bekam deshalb im Februar 1941 den Befehl, mit einer kleinen
Einheit nach Nordafrika aufzubrechen, um den erfolglosen Bündnispartner bei
seiner Verteidigung zu unterstützen.
Rommels Aufgabe
war es, einige Panzerverbände in Tripolis zu sammeln, um mit diesen dann die
italienische Verteidigung gegen eine geplante britische Offensive zu festigen.
Die Italiener jedoch lagen moralisch am Boden und ihre Verteidigungsstellungen
waren nur sporadisch gut aufgebaut. Rommel hielt eine defensive Haltung für
völlig sinnlos, stattdessen wollte er angreifen. Der italienische General Gariboldi war von der Idee
weniger begeistert, doch Rommels Ziel war es vorzupreschen und nicht
abzuwarten.
Am 31. März 1941 begann Rommel
den Vormarsch auf eigene Faust. Die Engländer überlistete er bei seinem
Angriff, in dem er alte LKWs in der Wüste Staub aufwirbeln ließ und somit eine
riesige Panzergruppe vortäuschte. Sein Hauptvorstoß richtete sich auf Mersa Brega, um somit das Tor zu Cyrenaika (Libyen) aufzustoßen. Die
Offensive führte zum Erfolg, so dass bald auch Bengasi besetzt werden konnten. Die italienische Generalität war
entsetzt und die Briten geschockt.
Mit einem solchen
blitzartigen Vorstoß hatte niemand gerechnet. Am 10. April 1941 standen
deutsche Panzer vor der ostlybischen Hafenstadt und Festung Tobruk, die kurz zuvor noch von den
Italienern ausgebaut und dann beinahe kampflos geräumt wurde. Bis zum 13. April
1941 unternahm Rommel drei Angriffe auf die Festung, die jedoch alle
fehlschlugen. Rommel musste vorerst die Eroberung
Tobruks einstellen. Auch weitere Vorstöße konnten auf Grund von
Versorgungsengpässen nicht durchgeführt werden, so dass die beiden verfeindeten
Armeen in einen Stellungskrieg übergingen.
Im November griffen die
Briten dann wieder an. Ihr Ziel war ein Entsatzversuch für die Festung Tobruk, der jedoch misslang.
Am 26. November 1941 erfolgte ein zweiter Angriff, wobei der Besatzung von
Tobruk nun endlich der Ausbruch aus dem Belagerungsring gelang. Am 7. Dezember
1941 zog sich das Deutsche Afrika-Korps
zur Gazala-Linie zurück. Im
Januar 1942 wurde Tobruk erneut von den Achsenmächten angegriffen. Die Armeen
der Achsenmächte (Deutschland und Italien) hatten ihre alte Stärke
wiedererlangt, da die britische Insel
Malta (größter Stützpunkt der Engländer im Mittelmeer während des II.
Weltkriegs) von der deutschen Luftwaffe stark bombardiert wurde und somit der
deutsche Nachschub ohne große Schwierigkeiten erfolgen konnte.
Am
26. Mai 1942 begann Rommel die Offensive
Theseus mit dem Ziel, Tobruk zu erobern. Nach schweren Panzergefechten
gelang es den Achsenmächten, Bir
Hacheim am 10. Juni 1942 einzunehmen, um dann den Vormarsch auf Tobruk
einzuleiten. Rommel umging die britischen Stellungen südlich der Festung und
griff dann mit einer Überraschungsoffensive an. Begleitet wurde der Vorstoß von
Stuka-Kampfbombern, welche die feindlichen Linien sturmreif schossen und die
britischen Kommunikationswege lahm legten. In der nachfolgenden Verwirrung
konnten Rommels Panzer in die Stadt eindringen und sie am 20. Juni 1942
besetzen. Rommel wurde daraufhin zum Feldmarschall
befördert.
Der weitere Vormarsch sollte nun durch Ägypten erfolgen. Die Stadt Alexandria sollte fallen und der
Suezkanal besetzt werden. Kurz
vor El Alamein hatten die Briten
einen 65 Kilometer langen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Im Süden der Linie lag
die Katara-Senke, die nicht
umgangen werden konnte. Die Offensive blieb stecken. Es kam sogar noch
schlimmer, als der neue britische Befehlshaber
Bernard Montgomery am 23. Oktober 1942 zum Gegenangriff startete. Alle
Befehle Hitlers zum Halten der Stellungen waren umsonst. Das Afrika-Korps war zahlenmäßig
unterlegen und musste den Rückzug antreten. Die Lage wurde vollends
hoffnungslos als am 8. November 1942 amerikanische
Truppen in Casablanca und Algier
landeten und somit den Zwei-Fronten-Krieg einleiteten. Am 13. November 1942 fiel Tobruk wieder
in britische Hand.
1943 blieb Rommel nur noch der Rückzug. Der
entscheidende Faktor in Nordafrika war immer der Nachschub, den Rommel
vergeblich forderte. Erst als alles zu spät war, trafen Truppen und
Kriegsmaterial in Tunis ein, was
aber nun den Alliierten in die Hände fiel. Am 23. Januar 1943 besetzten die
Briten Tripolis. Im März und
April wurden die Achsenmächte schließlich eingeschlossen. Lediglich an der Mareth-Linie wurde noch erbitterter
Widerstand geleistet. Die britische 8.
Armee begann am 17. Februar 1943 mit einem Angriff gegen die Mareth-Linie. Sie trafen wenig
Opposition an. Am 7. März flog Rommel nach Deutschland, um mit Hitler über ein
Ende der Kampfhandlungen zu sprechen.
Hitler jedoch blieb starrköpfig und verweigerte dem Afrika-Korps den Rückzug auf das
europäische Festland. Am 13. Mai 1943
mussten die Achsenmächte in Nordafrika kapitulieren. Am 10. Juli 1943 landeten
die Alliierten in Sizilien, worauf der Große Faschistische Rat Mussolini größtes Versagen vorwarf.
Der Duce wurde daraufhin auf Befehl des italienischen Königs verhaftet. Als
neuer Ministerpräsident wurde Pietro
Badoglio eingesetzt. Im März 1944 unterzeichnet er das Treuegelöbnis der
Generalfeldmarschälle und übergibt es Hitler.
Der geschichtliche
Hintergrund unserer „Toujane" Map ergibt sich also unmittelbar aus der Lage an
der Mareth Verteidigungslinie zwischen eben Toujane und Mareth.
Diese Linie spielte während
der Kampfhandlungen im nordafrikanischen Feldzug von Ende 1942 bis Mitte 1943
eine herausragende Rolle.
Sie war ca. 15 km lang und
wurde auch als „Maginotlinie der Wüste" bekannt und berüchtigt,
da sie eine Verbindung
zwischen dem Meer und dem Gebirge von Matmata darstellte.
Zusätzlich zu den
Panzergräben, dem Stacheldraht und Minenfeldern war sie unter anderem durch 40
Bunker für Infanterie, 8 große Bunker für Artillerie, 15 Befehlsposten und 28
Stützpunkte verstärkt.
Die betonierten
Befestigungsanlagen waren zusätzlich durch Pak und Flak verstärkt.
Auf diesen fünfzehn
Kilometern wurden 7000 Soldaten und Zivilisten zu Arbeiten an 25 km
Panzergräben herangezogen.
Sie verlegten über 100 km Stacheldraht, 100.000 Panzerabwehrminen und über
70.000 Tretminen.
Am 16.März 1943 begann der
Angriff der 8.brit. Armee unter Montgomery.
Er wurdevon 160.000 alliierten Soldaten, 750 Panzern,
700 Artilleriegeschützen, 1000 Pak und 535 Flugzeugen geführt. Außerdem
unterstützte die britische Marine vom Mittelmeer aus.
Demgegenüber standen die
Achsenmächte mit 76.000 Soldaten, 150 Panzern 450 Artilleriegeschützen, 500 Pak
und 123 Flugzeugen.
Während die erste, zweite und
dritte Welle des Angriffes frontal auf die Mareth-Linie geführt wurden und sich
nach erbittertem Widerstand aufrieben.
Erst am 28.März 1943, also 12
Tage später, wurde die Schlacht dank der erfolgreichen Umgehungsoperation von
Teilen der 8.brit.Armee entschieden, wobei die Achsenkräfte gezwungen wurden,
ihre Stellungen bei Mareth aufzugeben und sich nach Norden zurück zu ziehen.