Hier möchte ich versuchen, darzustellen, wie es zum 2. Weltkrieg gekommen ist, ein bißchen Hintergrundwissen zu vermitteln, welche Voraussetzungen damals vorlagen und auch die verschiedenen Zusammenhänge darzulegen.
Der Weg zum 2. Weltkrieg
Am 11. November 1918 war nach über 4 Jahren
der erste Weltkrieg vorbei; es gab ungefähr 10 Millionen Tote und die doppelte
Anzahl an Verletzten. Europa war zerrüttet, viele Millionen ehemaliger Soldaten
kamen traumatisiert zurück in die Heimat, der Krieg hatte sie brutalisiert und
verrohen lassen. Hinzu kam, dass mit dem Versailler Vertrag ein Friedensvertrag
geschlossen wurde, der diesen Namen eigentlich nicht verdient hat. Frankreich
hatte am meisten unter dem Krieg gelitten und wollte daher Deutschland derart
schwächen, dass von dort aus nie wieder eine Gefahr ausgehen könnte und würde.
Von der USA hingegen kam der 14-Punkte-Plan von US-Präsident Wilson, der auf
einen großmütigen, gerechten und weisen Frieden basierte. Herausgekommen ist
dann der "Versailler Vertrag", der hart genug war, Deutschland zu
demütigen und ihm die Sieger verhasst zu machen, aber jedoch nicht hart genug,
um Deutschland dauerhaft in die Knie zu zwingen.
Der Versailler Vertrag
Die Auswirkungen des Versailler Vertrages
waren territorialer und finanzieller Natur. Elsass-Lothringen fiel komplett an
Frankreich, im Saarland sollte nach 15 Jahren eine Volksabstimmung über dessen
Zugehörigkeit stattfinden, wurde bis dahin vom Völkerbund verwaltet,
wirtschaftlich aber Frankreich unterstellt. Die Bevölkerung des Ostens
Oberschlesiens stimmte für einen Verbleib in Deutschland, wurden aber, wie
viele Teile der östlichen Provinzen, an Polen oder die Tschechoslowakei
abgegeben. Deutschland hatte nun keine Landverbindung mehr zu Ostpreußen und
viele Deutsche lebten nun in den neu geschaffenen Staaten Osteuropas.
Weiterhin mußte Deutschland seine gesamten
Kolonien an die Siegermächte abtreten.
Somit verlor Deutschland ein Siebtel seines
Staatsgebietes und ein Zehntel seiner Bevölkerung, weiterhin über 30 % seiner
Steinkohle- und fast 80 % der Erzlagerstätten.
Europa vor und nach dem Versailler Vertrag
Auch militärisch wurden tiefe Einschnitte
gemacht; so durfte das deutsche Heer nur noch aus 100.000 Berufssoldaten, die
Marine aus nur noch 15.000 Mann bestehen, schwere Waffen, Schlachtschiffe,
U-Boote oder Luftstreitkräfte waren verboten, weiterhin wurde das linke
Rheinufer und strategisch wichtige Brückenköpfe am rechten Rheinufer durch
alliierte Truppen besetzt und das gesamte Rheinland entmilitarisiert.
Auch der Anschluss des deutschsprachigen Raums
des ehemaligen "Österreich-Ungarns" an Deutschland wurde verboten,
obwohl dieses von beiden Seiten gewünscht wurde.
Im Versailler Vertrag wurde ausdrücklich
darauf hingewiesen, dass Deutschland die alleinige Schuld dieses Krieges
zugeschrieben wurde; aus diesem Grunde wurden erhebliche alliierte
Reparationsforderungen erhoben, wobei man sich zuerst über die Höhe der
Zahlungen nicht einigen konnte. 1921 verständigte man sich auf die Zahlung von
132 Milliarden Goldmark.
Der Versailler Vertrag wurde vor allem wegen
dieses "Kriegsschuldartikels" in Deutschland als "Diktat- und
Schandfrieden" abgelehnt, wurde aber, nach der Drohung der Alliierten, die
Kriegshandlungen wieder aufzunehmen, am 28. Juni 1919 unterzeichnet und trat am
10. Januar 1920 in Kraft.
Durch die Neuordnung Europas durch den
Versailler Vertrag entstanden viele neue Länder, in denen sich soziale Gruppen,
Minderheiten oder ganze Völker benachteiligt fühlten; durch die schwierige
wirtschaftliche Situation in Europa, die auch noch hinzu kam, gab es in vielen
Ländern Unruhen, Streiks und Demonstrationen. Als Reaktion hierauf und auf der
Suche nach einer neuen Ordnung kamen in vielen Ländern Europas autoritäre oder
diktatorische Regimes an die Macht, welche die Ordnung, oder was sie dafür
hielten, wiederherstellen wollten. Begonnen wurde in Italien, wo der im Krieg
zum glühenden Nationalisten gewordene Benito Mussolini 1919 seine
"Faschistische Partei" gründete und am 28. Oktober 1922 mit einem
Marsch seiner Anhänger nach Rom an die Macht kam. Nach und nach wurden
praktisch alle osteuropäischen Staaten von Estland bis Bulgarien autoritär regiert,
alleine die Tschechoslowakei blieb demokratisch. In Österreich entstand unter
Dollfuß und Schuschnigg der so genannte "Austro-Faschismus". In
Südeuropa wurden nach Italien auch Griechenland, Spanien und Portugal autoritär
geführt.
Friedrich Ebert
Weimarer Republik
In Deutschland übernahm der Sozialdemokrat
Friedrich Ebert das Amt des Reichskanzlers und durch die Abdankung von Kaiser
Wilhelm II. wurde Deutschland zwar offiziell zur Republik, aber innerlich
lehnte fast alle diesen neuen Staat ab. Zusätzlich gab es starke links- und
rechtsextreme Gruppen, die entweder eine Regierungsform wie in der Sowjetunion
oder eine autoritäre Regierung wollten. Das politische Klima wurde durch
Attentate, Straßenkämpfe und Skandale weiter aufgeheizt. Als es dann noch zu
Inflation, Massenarbeitslosigkeit und große wirtschaftliche Not kam, war die
Weimarer Republik praktisch am Ende. Durch die Kriegsschulden und die hohen
Reparationsforderungen gab es 1919 für die Regierung nur zwei Möglichkeiten:
Erhöhung der Steuern oder das Drucken von Geld. Man entschied sich für den
Druck von mehr Geld, aber für dieses Geld gab es keine Deckung in Waren oder
Wirtschaftsleistungen. Aus diesem Grund kam es dann 1923 zu einer
Hyperinflation; die Preise explodierten und das Geld war nichts mehr wert.
Kleinanleger und Sparer verloren ihr gesamtes Vermögen; sie gaben der Weimarer
Republik die Schuld an dieser Misere und der Hass auf die Regierung wuchs.
Nachdem dann am "Schwarzen Freitag"
25. Oktober 1929 noch die Börse in New York zusammenbrach trieb die
wirtschaftliche Not und auch der blanke Hunger die Menschen in die Arme
derjenigen, die ihnen Rettung, Arbeit und Brot versprachen: den Kommunisten und
den Nationalsozialisten.
1919 trat Adolf Hitler in die Deutsche
Arbeiter Partei (DAP) ein und gründete daraus 1921 die Nationalsozialistische
Arbeiter Partei [NSDAP), die eine Zeit lang eine von vielen unbedeutenden
Parteien war (bei den Reichstagswahlen 1928 lag ihr Stimmenanteil bei 2,6 % ).
Durch die Wirtschaftskrise 1929 fand die NSDAP enormen Zulauf. Schon 1930
hatten sie 18 % der Stimmen erhalten und wurden 1932 mit 37 % Stimmen stärkste
Partei des Reichstages. Reichspräsident Hindenburg war so gezwungen, Hitler am
30. Januar 1933 zum Reichskanzler zu ernennen.
Tag von Potsdam, Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler
Das war das Ende der Weimarer Republik und
gleichzeitig auch das Ende der Demokratie in Deutschland. Die NSDAP unter
Hitler begann, ihre Macht zielstrebig und rücksichtslos zu festigen.
Hitlers Aussenpolitik war darauf ausgelegt,
den Versailler Vertrag zu revidieren bzw. ihn völlig aufzuheben. Er strebte
nach einem Großdeutschen Reich unter ihm als Führer, auch wenn dies bedeutete,
dass er territoriale Ansprüche an Nachbarstaaten verfolgte, besonders, wie in
seinem Buch „Mein Kampf" beschrieben, sah er die Zukunft im Lebensraum im
Osten. Schon kurz nach Hitlers Machtergreifung begannen geheime Pläne zur
Wiederbewaffnung des Landes. Am 14. Oktober 1933 verließ Deutschland die Genfer
Abrüstungskonferenz und trat wenige Tage später aus dem Völkerbund aus. Am 16.
März 1935 sagte sich Deutschland von den Bedingungen des Versailler Vertrages
los und führte die allgemeine Wehrpflicht wieder ein. Am 18. Juni 1935 wurde
das Deutsch-Britische Flottenabkommen abgeschlossen, welches zwar die Stärke
der Kriegsmarine auf nur 35 % der Stärke der Royal Navy festlegte, aber nach
Hitlers Ansicht eine Anerkennung seiner Politik darstellte; er wähnte sich auf
dem richtigen Weg. Am 7. März 1936 besetzten deutsche Truppen das
entmilitarisiserte Rheinland und weder Frankreich noch Großbritannien
reagierten darauf. Man war der Ansicht, keinen Krieg riskieren zu wollen, nur
weil deutsche Truppen in eigentlich deutsches Land einmarschierten.
Ein Flugzeug der "Legion Condor"
Im Sommer 1936 brach dann in Spanien nach vielen
Querelen ein Bürgerkrieg aus, bei denen die neuen Verbündeten Italien und
Deutschland massiv eingriffen, um die rechtsgerichteten Nationalisten unter
Franco zu unterstützen. Sie entsendeten Material und Waffen, später auch
Truppen, darunter auch die Legion Condor, die mit ihren Panzern und
Kampfflugzeugen maßgeblichen Anteil an dem Sieg Francos hatte; nebenbei konnte
man auf den spanischen Schlachtfeldern neue deutsche Waffen und Taktiken
ausprobieren.
Dokument, mit dem Franco das Ende des Bürgerkriegs verkündet
Aber auch in Italien wurden Expansionsgedanken
gehegt. Benito Mussolini strebte nach der Vormachtsstellung Italiens im
Mittelmeerraum und träumte von einer Wiederauferstehung des Römischen Reiches
und begann damit, die italienischen Kolonien in Afrika zu vergrößern. Aus diesem
Grund griff er am 03. Oktober 1935 Äthiopien an. Der Völkerbund beschloss
Sanktionen gegen Italien, Frankreich und Großbritannien protestierten zwar,
aber schritten nicht ein. Deutschland hingegen schloß die Lücken, die die
Sanktionen und die internationale Isolation erzeugt hatten; dies war der der
Beginn der Achse Berlin-Rom, die Ende Oktober 1935 auch vertraglich bestätigt
wurde.
Hitler und Mussolini
Hitler blieb weiterhin nicht untätig und
schloss am 25. November 1936 mit Japan den „Antikomintern-Pakt", ein Bündnis
gegen die Sowjetunion und den Kommunismus, in dem sich beide Nationen in einem
geheimen Zusatzabkommen Neutralität im Falle eines Angriffs der Sowjetunion
zusicherten. Im Januar 1937 trat Italien dem Pakt bei, Spanien und Ungarn folgten
im März 1939.
Unterzeichnung des Antikomintern-Paktes
Auch in Österreich, das den 1919 gewünschten
Anschluss an Deutschland nicht erhalten hatte, bekam Hitler immer mehr
Anhänger. Der österreichische Bundeskanzler Dollfuß wurde bei einem
gescheiterten nationalsozialistischen Putsch ermordet; der Nachfolger
Schuschnigg versuchte, die Unabhängigkeit zu wahren, wurde aber immer mehr in
die Abhängigkeit zum Deutschen Reich gedrängt und konnte nicht verhindern, dass
Hitlers Statthalter Seyß-Inquart erst Innenminister und danach noch sein
Nachfolger wurde. Nach Schuschniggs Rücktritt am 11. März 1938 sandte
Seiß-Inquart einen „Hilferuf" an das Deutsche Reich, welches einen Tag später
mit ihren Truppen die Grenzen überquerten. Am 15. März 1938 verkündete Hitler
auf dem Heldenplatz in Wien unter dem Jubel zehntausender Menschen den Beitritt
„seiner" Heimat in das Deutsche Reich. Frankreich und Großbritannien beließen
es bei diplomatischen Protestnoten.
Hitlers Rede auf dem Heldenplatz in Wien
Die nächsten Ziele Hitlers waren nun ehemals
zu Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich zugehörige Gebiete mit
deutschsprachiger Bevölkerung, die durch den Versailler Vertrag der Tschechoslowakei
zugeordnet wurden. Im Anschluss an die Annexion Österreichs stellte er
unannehmbare Forderungen an die Tschechoslowakei; diese befanden sich aber im
Bündnis mit Frankreich und der Sowjetunion und verfügte auch über eine
schlagkräftige Armee und widersetzte sich deswegen zunächst der deutschen
Forderungen. Hitler war bereit, die „Sudetenkrise" mit einem Krieg zu lösen. Um
diesen zu verhindern und als Höhepunkt der Politik des „Appeasement"
(Beschwichtigung) von Frankreich und Großbritannien trafen sich der
französische Regierungschef Daladier, Premierminister Chamberlain und Hitler am
29. September 1938 in München. Als „unbeteiligter" Vermittler war Benito
Mussolini ebenfalls anwesend. Bei dieser Konferenz wurde das „Münchener
Abkommen" beschlossen, bei dem Frankreich und Großbritannien dem Anschluss des
Sudetenlandes, welcher von der Mehrheit der betroffenen Bevölkerung befürwortet
wurde, zustimmten. Im Gegenzug versprach Hitler, keine weiteren Forderungen zu
stellen und künftige Agressionen zu unterlassen. Doch Hitler setzte seinen
Expansionskurs fort; so wurde am 14. März 1939 die Slowakei auf deutschen Druck
unabhängig und die deutsche Wehrmacht marschierte einen Tag später in die Rest-Tschechei
ein. Wiederum beließen es Frankreich und Großbritannien bei diplomatischen
Protestnoten.
Teilnehmer des Münchner Abkommens
Direkt nach dem Einmarsch in die
Rest-Tschechei begann Hitler, Forderungen an Polen zu stellen. Die verlorenen
deutschen Gebiete im Osten, besonders der „polnische Korridor" – der polnische
Zugang zur Ostsee, der sich zwischen dem Deutschen Reich und Ostpreußen
erstreckte, und die Stadt Danzig waren das nächste Begehr Hitlers. Frankreich
und Großbritannien schlossen daher Bündnisse mit Polen, um Hitler von einem
Angriff abzuhalten. Der war aber durch die Geschehnisse der letzten Jahre
überzeugt, dass weder London noch Paris eingreifen würden. Die einzige Sorge
für ihn war die Reaktion der Sowjetunion; daher begann er im Frühjahr 1939
geheime Gespräche mit Moskau. Da die Sowjetunion bei dem Münchner Abkommen
sträflich ignoriert wurde, kamen Stalin und der Außenminister Molotow zu der Überzeugung,
besser mit dem Deutschen Reich als mit
den Westmächten zu kooperieren. So schlossen die Sowjetunion und das Deutsche
Reich am 23. August 1939 einen Nichtangriffs-Pakt, den „Hitler-Stalin-Pakt". In
einem geheimen Zusatzprotokoll legten sie fest, wie Osteuropa untereinander
aufgeteilt werden sollte. So ging Hitler davon aus, im Osten einen neutralen
Partner – die Sowjetunion – zu haben und dass die polnischen Bündnispartner –
Frankreich und Großbritannien – erneut nur zuschauen würde und gab am 25.
August 1939 den Angriffsbefehl auf Polen.
Unterzeichnung des "Hitler-Stalin-Pakts"
Das war, wie man weiß, dann der Startschuss zu der größten, an Menschen und Material verlustreichsten Auseinandersetzung in der Menschheitsgeschichte.