Anzio
In der Provinz Rom, 58 Kilometer südlich von Rom, in der
italienischen Region Latium, liegt Anzio. Die Stadt hat knapp 60.000 Einwohner.
Lage der Stadt Anzio
Nachdem die 5. US-Armee und die 8. Britische Armee im
September 1943 bei Salerno und in Süditalien gelandet waren, stockte der
weitere alliierte Vormarsch an der deutschen Gustav-Linie etwa 100 Kilometer
südlich Roms. So begannen die alliierten Befehlshaber eine Landeoperation
hinter der Front in der Nähe Roms zu planen.Das größte Problem war es für die
Alliierten, genügend Landungsboote für diese Operation bereitzustellen, da ja
uch die Landung in der Normandie schon geplant war bzw. der Plan für die
Landung in der Normandie schon stand. Eigentlich standen für die Landung in
Anzio nur Landungsboote für die Stärke einer Division bereit, was aber noch für
eine Kapazität von zwei Divisionen aufgestockt wurde.
Gleichzeitig mit der Schlacht um Monte Cassino am 22. Januar
1944 führten die alliierten Truppen diese amphibische Landungsoperation am
Tyrrhenischen Meer in Mittelitalien bei Anzio und Nettuno durch.
Hauptteilnehmer dieser Operation war das VI. US-Korps unter Major General John
P. Lucas, ihr Ziel war es, die deutsche Hauptverteidigungslinie in
Mittelitalien (Gustav-Linie) zu umgehen und so den Vormarsch der Alliieretn auf
Rom zu beschleunigen.
Karte der Operation Shingle (Landung bei Anzio/Nettuno)
Die ersten Landungsoperationen wurden durch die 1. Britische
und die 3. Amerikanische Infanteriedivision mit Unterstützung durch Panzer- und
Fallschirmeinheiten sowie Ranger- und Commandoverbände durchgeführt. Nach der
gelungenen Landung sollte der Landungskonvoi nach Neapel zurückkehren und zwei
weitere Divisionen zur Landezone bringen. Begleitet wurden die Landeoperationen
durch Angriffe der alliierten Air Forces auf die Flugplätze der Luftwaffe und
auf die Nachschublinien sowie eine taktische Luftunterstützung sowie Jagdschutz
für die Dauer der Operationen.
Der Hafen von Anzio
Die 5. Armee Unter General Mark W. Clark begann mehrere Tage
vor der Landung mit Angriffen auf die deutschen Verteidigungsstellungen an der
Gustav-Linie zwischen den Abruzzen und der Mittelmeerküste, um die Truppen der
deutschen 10. Armee dort zu binden und den Oberbefehlshaber der der deutschen
Truppen in Italien, Generalfeldmarschall Kesselring dazu zu veranlassen,
Truppen der Achsenmächte aus dem Gebiet von Rom abzuziehen und an die Front zu
schicken. Sollte dieser dieses tun, hätte man die Gustav-Linie an den
entsprechenden Stellen angegriffen und durchbrochen, im anderen Fall sollten
die bei Anzio gelandeten Truppen durch die Albaner Berge auf Rom vormarschieren
und die deutschen Kräfte an der Gustav-Linie mit einer Abschneidung bedrohen.
Amerikanische Truppen landen bei Anzio
Der erste Plan ging aber auf. Als die 5. US-Armee im Vorfeld
der Landungsoperationen ihre Angriffe auf die Gustav-Linie starteten, forderte
General Heinrich von Vietinghoff Unterstützung, die GFM Kesselring damit
beantwortete, die 29. und die 90. Panzergrenadierdivision aus Rom abzuziehen
und zur Verteidigungslinie zu beordern.
So konnten in den Morgenstunden des 22. Januars neun
Transportschiffe und 226 Landungsboote insgesamt 36.000 alliierte Soldaten und
3.200 Fahrzeuge in der Nähe von Anzio und Nettuno absetzen ohne auf große
Gegenwehr der deutschen Truppen zu stoßen. Auf Seiten der Alliierten gab es bei
der Landungsoperation lediglich 13 Tote und 97 Verwundete, etwa 200 deutsche
Soldaten gerieten in Gefangenschaft.
Ein Sherman wird bei Anzio ausgeladen
Die britische 1. Division und die amerikanische 3. Division
drangen ins Landesinnere vor und konnten Nettuno sowie den Hafen von Anzio
einnehmen .Angriffe der deutschen Kampfgeschwader 40 und 100 mit
ferngesteuerten Bomben auf die Seeeinheiten wurden von den alliierten
Kriegsschiffen durch Störung der Fernsteuersignale abgewehrt und blieben somit
weitgehend wirkungslos.
Major General John P. Lucas nutzte die Schwäche der
deutschen Truppen nicht aus, um schnell ins Landesinnere vorzudringen, sondern
setzte das Hauptaugenmerk auf den Ausbau der Brückenköpfe; dieses Vorgehen
mißfiel Churchill und er ließ ihn am 23. Februar durch Lucian Truscott
ersetzen.
Blick auf Anzio. Hier können wir die vielen Häuser sehen
Als Kesselring von der alliierten Landung informiert wurde,
befahl er die 4. Fallschirmjägerdivision und Teile der
Fallschirm-Panzer-Division Hermann Göring zur Verteidigung in das Gebiet. Am
25. Januar übernahm die 14. Deutsche Armee unter Generaloberst von Mackensen
die Verteidigung des Abschnitts Anzio/Nettuno. Verstärkungen erhielt Mackensen
durch Verbände aus Italien sowie jeweils eine Division vom Balkan und aus
Frankreich. Einige Angriffe der deutschen Truppen bis Ende Februar konnten von
den alliierten Truppen abgewehrt werden, obwohl sie teilweise sehr in
Bedrängnis gerieten.
Erst das Ende der Schlacht um Monte Cassino im Mai 1944
führte zum entscheidenden Durchbruch durch die deutschen Stellungen (Operation
Diadem). Dadurch war der Weg frei, die Kräfte des Anzio-Brückenkopfs weiter zu
verstärken. Am 25. Mai stellte das vom Osten kommende II. US-Korps die
Verbindung mit dem VI.Korps her, welches seinerseits seine Angriffe westlich
der Albaner Berge konzentrierte.
Karte der Operation Diadem
So ging der Vormarsch der alliierten Truppen stetig weiter
bis am 04.06.1944 die 1. US-Panzerdivision und die36. US-Infanteriedivision in
Rom einmarschierten.